
Kurz vor 17.00 Uhr am Sonntag fiel die Spannung von allen ab. Quarterback Laurin Holzhauser hatte im Endspiel um die deutsche Hallenmeisterschaft gegen die Nürnberg Rams alles in den letzten Wurf gelegt. Die Franken Knights lagen mit 20:27 zurück. Dabei hatten sie bereits einen 6:20-Rückstand egalisiert. Hatten die Interception im ersten Drive weggesteckt, sich zurück ins Spiel gekämpft und ausgeglichen. 1.30 Min vor Schluß waren die Rams aber erneut in Führung gegangen. Jetzt waren die Knights wieder auf Schlagdistanz, aber die Zeit lief davon. Der Pass auf Dustin Wenninger kam nicht an, die Zeit lief aus und die Nürnberger hatten ihren Meistertitel in einem denkwürdigen Finale verteidigt. Denkwürdig auch, weil sich unter den neun anwesenden Vertretern der deutschen Landesverbände ausgerechnet die beiden mittelfränkischen Vereine bis ins Endspiel durchgekämpft hatten und damit jetzt die Spitze des deutschen Jugendflagfootball bilden.

So richtig auf der Rechnung hatte die Knights niemand. Die altersbedingten Abgänge waren immens. Die Vorbereitungsturniere liefen eher schleppend, aber stetig bergauf. Mit dem elfjährigen Laurin Holzhauser führte der jüngste und kleinste Quarterback des Turniers den Rothenburger Angriff. 33 Mal fand er einen Receiver in der Endzone, bei nur einer einzigen Interception. Neben Dustin Wenninger (57) und Philipp Sauereßig (41) als eifrigsten Punktesammlern trugen Yves Scherer (25), Diane Nagel (8) und Toni Wollmershäuser (2) ihren Anteil zur hervorragenden Offenseleistung bei. Die Defense stellte sich in der Vorbereitung auf ein komplett neues Verteidigungssystem um, und wurde nach der unglücklichen 26:31 Niederlage mit auslaufender Uhr gegen die Wiesbaden Phantoms im Verlauf des Turnieres immer besser. Einem souveränen 25:13 gegen die Fellbach Flagbats folgte der Viertelfinaleinzug gegen die Mainz Golden Eagles, einem der Topfavoriten auf den Titel. Mit einer Glanzleistung stoppten Emre Dilek, Tim Wolfsgruber, Orkun Demirkol, Yves Scherer und Philip Braun immer wieder die körperlich deutlich überlegenen Gegner und legten den Grundstock für den etwas überraschenden 18:7-Erfolg der Franken.

Der Playoff-Modus hatte die Knights nicht bevorzugt. Im Halbfinale wartete eines der stärksten Teams der Vorrunde, die Kiel Wild Hurricanes. Über Nacht hatten die Coaches die Defense umgestellt und offensichtlich lag das dem Gast aus dem hohen Norden überhaupt nicht. Viel Druck auf den Quarterback durch Philip Braun nahm die Präzision aus dem starken Passspiel, während Laurin Holzhauser mit schnellen präzisen Pässen mit seiner Offense übers Feld marschierte. Am Ende stand ein deutliches 25:12, bei dem zum Schluß sogar noch alle Backup-Spieler eingewechselt werden konnten. Die Rams standen zu diesem Zeitpunkt bereits nach einem klaren 25:13 nach zwischenzeitlicher 25:0-Führung im Finale.

Vor annähernd 300 Zuschauern und ohrenbetäubenden Lärm starteten die Knights mit dem Angriff, wurden aber Zentimeter vor der Endzone durch die Interception gestoppt. Die Rams nutzten das Momentum und gingen mit 7:0 in Führung. Im Gegensatz zum Endspiel um die Bayerische Meisterschaft vor zwei Wochen sorgte dieser Spielverlauf nicht für einen Bruch im Rothenburger Spiel. Philipp Sauereßig erzielte den Anschluß zum 6:7. Danach setzten sich die beiden Defense-Reihen durch. Philip Braun setzte den Quarterback stark unter Druck, erzielte im Verlauf des Spiels insgesamt 4 Quarterback-Sacks, dass erst kurz vor Ende der ersten Halbzeit die Rams mit einem Trickspielzug das 13:6 erzielen konnten. Nach der Pause bekamen sie in Ballbesitz und erhöhten auf 20:6. Die Entscheidung? Nein. Mit einem einzigen Pass auf Dustin Wenninger überbrückten die Knights das komplette Feld und stellten den Anschluß her. Der Weckruf hatte gewirkt. Schnell waren die Rams gestoppt, die Offense rollte. Philipp Sauereßig zum 19:20 und Yves Scherer mit der Conversion zum 20:20 egalisierten den Vorsprung und die Halle kochte. Die Rams versuchten jetzt Ball und Uhr zu kontrollieren, um möglichst spät zu scoren und den Knights nur wenig Zeit zum zurückschlagen zu lassen. Das gelang. Eine einzige Unaufmerksamkeit genügte und die Entscheidung war gefallen. Den Rothenburgern blieb nicht mehr die Zeit zum Kontern.
Ein denkwürdiges Finale hatte das glücklichere Team am Ende verdient gewonnen. Das ein bisschen weniger glückliche Team kann stolz auf das Erreichte sein und den nächsten Angriff auf einen Titel starten:
Demnächst beginnt die Bayernliga auf dem Feld. Mit den Rams und den Knights in der Vorrundengruppe Nord. Dann wird man sehen wie sich die Ansbach Grizzlies zwischen dem Deutschen Meister und seinem Vize machen.
Für Organisation und Ausrichtung des Turniers in der Sporthalle des Schulzentrums in der Bleiche durch die Franken Knights bedankte sich der Vertreter des Deuschen Footballverbands Horst Fernbacher sehr herzlich. Bürgermeister Förster und AFVBy-Vizepräsidentin Kerstin Schindler übernahmen die Siegerehrung.

Ein Titel blieb am Ende dann doch in Rothenburg. Philip Braun wurde zum MVP-Defense des Turniers gekürt. Seine Leistung ist umso bemerkenswerter, wenn man berücksichtigt, dass er erst seit 4 Tagen einen gültigen Spielerpass besitzt und sein erstes Turnier absolvierte. Die Auszeichnung für den MVP-Offense erhielt Tony Johnson von den Rams.


